Ein kurzer Blick in den Garten: Warum ein Diagramm nicht nur hübsch aussieht, sondern uns hilft, Ressourcen zu sparen.
In der kleinen Stadtbepflanzung, die ich in Wien betreibe, gilt es immer wieder, das Zusammenspiel aller Schritte in der Lebensmittelproduktion zu hinterfragen. Was passiert, wenn ich einen Samen setze? Welche Arbeit, welche Zeit und welche Materialien brauchen die Pflanze, bis sie bereit für die Ernte ist? Und wo verstecken sich stillschweigend die größten Engpässe? Die Antwort darauf findet sich auf einer einfachen Wertstromkarte – einer visuellen Abbildung, die jeden Schritt des Lebenszyklus eines pflanzlichen Produkts zeigt.
Stellen wir uns die Wertstromkarte wie einen Fluss vor:
Samen – die Anfänge, in denen wir die Auswahl, die Qualität und den Zeitpunkt der Aussaat bestimmen.
Keimung & Wachstum – die ersten Wochen, in denen wir Bewässerung, Düngung und Schutz vor Schädlingen koordinieren.
Pflanzengesundheit – ein fortlaufender Prozess, bei dem wir die Pflanze auf Anzeichen von Mangel oder Stress prüfen.
Ernte – der Moment, in dem die Frucht ihre Vollendung erreicht und wir sie ernten.
Verarbeitung & Vertrieb – die Weiterverarbeitung im Gemeinschaftsmarkt, das Verpacken oder die direkte Übergabe an Nachbarn.
Wenn wir diese Schritte in einem Flowchart darstellen, sehen wir sofort, wo die meisten Ressourcen aufgewendet werden und wo der Fluss unterbrochen ist. Oft ist es der Übergang von der Keimung zur ersten Bewässerung: Hier vergeuden wir zu viel Zeit, weil die Pflanzen noch nicht vollständig etabliert sind, aber wir trotzdem regelmäßig gießen. Ein weiteres Problem kann die Erntephase sein, wenn viele Pflanzen gleichzeitig reif sind, aber wir nicht genug Menschen oder Geräte haben, um sie zeitnah zu ernten.
Die Karte hilft uns, gezielt zu fragen: Wie viel Zeit verschwendet ein Blatt? Wie viel Wasser wird unnötig verwendet? Und wir finden, wo wir den Prozess vereinfachen können. Vielleicht brauchen wir nur einen besseren Plan für die Reihenfolge der Bewässerung oder ein zusätzliches Pflanzenset, um die Ernte in kleineren Schritten vorzunehmen.
Was ich daraus gelernt habe
- Der gesamte Lebenszyklus ist ein Netzwerk aus abhängigen Schritten.
- Engpässe entstehen häufig an Übergangspunkten, wenn Zeit, Menschen oder Materialien nicht synchronisiert sind.
- Durch das Visualisieren aller Phasen können wir gezielt Engpässe identifizieren und eliminieren.
Zum Schluss
Eine Wertstromkarte ist nicht nur ein Instrument für Manager großer Fabriken, sondern auch ein kraftvolles Werkzeug für unsere Gartenprojekte. Sie gibt uns die Möglichkeit, jedes Blatt, jeden Samen und jede Handvoll Erde bewusster zu nutzen. Und wer weiß, vielleicht wird Ihr nächstes Gemüseprojekt dank dieser Karte effizienter, nachhaltiger und fruchtbarer – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne.